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HEMA-Arten:

-Langes Schwert

 

-Waffenlos

 

-Scheibendolch

 

-Einhänder und Schild

 

 

 

Historischer Schwertkampf 

 

Europäische Kampfkunst in der Hansestadt Lüneburg

 

Schwertkampf Lüneburg ist ein im Jahr 2011 in Lüneburg gegründete  HEMA Gruppe und hat sich im Jahr 2017 dem MTV Treubund in Lüneburg als Abteilung angeschlossen. Die Abteilung beschäftigt sich mit der Verbreitung und Pflege historischer europäischer Kampfkünste (engl.: HEMA – Historical European Martial Arts). 

 

Das Ziel der Abteilung ist die praktische Rekonstruktion der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Kampfkünste Europas. Der Ausgangspunkt unserer Rekonstruktionsarbeit sind schriftlich überlieferte Quellen, zumeist Handschriften oder Drucke, in welchen die Fechtmeister vergangener Jahrhunderte ihr Wissen für sich oder einen adeligen Gönner niederschreiben ließen. Der theoretischen Analyse dieser Schriftquellen schließt sich die praktische Rekonstruktion der erschlossenen Inhalte an. In der Fechthalle werden die herausgearbeiteten Techniken nachgefochten, ständig überprüft und an die Vereinsmitglieder weitergegeben.

 

Um Missverständnisse zu vermeiden:

Wir rekonstruieren die historischen Kampfkünste Europas nach schriftlichen Quellen. Wir sind weder ein Verein für Living History oder LARP, noch trainieren wir “Codex Belli“ oder Huscarl-Fechten.

Warum Schwertkampf lernen?

Das ist eine wichtige Frage! Man sollte nichts im Leben beginnen, von dem man nicht weiß, wozu es gut ist. Dazu ist unser Leben zu kurz und der Terminplaner bereits zu voll. Vielmehr stellt sich die Frage, wie kann ich meine (Frei)Zeit so nutzen, dass ich in der "Arbeits"-Zeit effektiver und dennoch enspannter leben kann...!

Blickt man sich in der Geschichte etwas um, stößt man auf eine Fertigkeit, welche viele Jahrhunderte hindurch zur Ausbildung eines Mannes gehörte: Das Fechten. Die Aubildung hatte durch die Jahrhunderte hindurch immerwieder andere Schwerpunkte; das Erlernen der Fechtkunst hingegen entpuppte sich als eine Konstante, welche bis in die späte Neuzeit ihren festen Platz hatte. Warum legte man auf das Erlernen dieser Kunst so viel Wert? - Nun, das liegt an den vielseitigen Eigenschaften, die durch das Fechten geschult und ausgebildet werden:

Fechten fördert Gesundheit, Fitness und Ausgeglichenheit:

Körperbewusstsein
Der Kämpfer lernt seinen Körper besser kennen und trainiert die Hand-Augen-Koordination. Es ist nicht selbstverständlich, dass der Körper genau das macht, was ihm das Gehirn befiehlt. Diese Koordination wird beim Fechten intensiv geschult.

Gesundheit und Muskulatur
Das Fechten mit dem Langen Schwert fordert den Körper sehr vielseitig. Der Fechter trainiert seine Beweglichkeit, Schnelligkeit und Kraft auf natürliche und ganzheitliche Weise. Es ist kein zusätzliches Krafttraining nötig, sondern der Körper bildet von sich aus die Muskulatur, welche er für die Ausübung der Bewegungen benötigt. So wird das älteste und natürlichste Prinzip das Krafttrainings angewendet.

Wohlbefinden
Viele Schüler schätzen am Fechtunterricht das Zusammenspiel von körperlicher Herausforderung und mentalem Anspruch innerhalb einer lockeren, gemeinschaftlich geprägten Atmosphäre. Dadurch ist der Trainingsabend ein optimaler Ausgleich zum oft bewegungsarmen oder eintönigen Arbeitstag.

Fechten fördert Persönlichkeitswerte,
welche damals wie heute unverzichtbar im gesellschaftlichen Leben sind:

Konfliktfähigkeit
Der Freikampf im Schwertfechten führt den Schüler immer wieder kontrolliert an formale Konfliktsituationen heran, bei welchen er sein Verhalten erfahren, verstehen und verbessern kann. Hier geht es nicht darum, den Fechter abzuhärten, sondern ihn zu sensibilisieren und ihm so die Angst vor Konflikten zu nehmen. Wer sein Verhalten in solchen Momenten verstehen und einschätzen lernt, vermag in alltäglichen Konfliktsituationen besonnener zu reagieren und so die Kontrolle über sich und die Situation zu bewahren.
Ein besonderes Augenmerk liegt hier auf die Konfliktentfaltung. Der Schüler wird für den Augenblick sensibilisiert, in dem ein Kampf beginnt. Das Fechten bietet hier ein leicht überschaubares Anwendungsfeld, da Grauzonen anders als im waffenlosen Kampf nicht vorhanden sind. Man kann mit einer Fechtwaffe nicht "ein bisschen angreifen". Aktionen im Fechten sind klar und deutlich. Man kann im Übungsgefecht keinen Hieb zurücknehmen und sagen "Ich habe es nicht so gemeint". Der Schüler lernt sich mit der Tatsache auseinanderzusetzen, dass jede Aktion eine Konsequenz nach sich zieht.

"Überlegen Sie sich stets bevor Sie Ihr Schwert ziehen, ob Sie auch kämpfen wollen!" (Johannes Warth)

Konzentration
Es strömt heute sehr viel auf uns ein und es fällt dem einzelnen zunehmend schwer, im Kopf zu selektieren; Konzentrationsschwäche ist eine der Folgen. Beim Fechten lernt der Schüler, sich auf immer wieder neue und ungewohnte Situationen einzulassen und in diesen seine Gedanken zu fokussieren. Dadurch wird die Fähigkeit trainiert, sich auf einzelne Aufgaben zu konzentrieren.

"Niemand ist frei, der über sich selbst nicht Herr ist." (Matthias Claudius)

Wahrnehmung und Selbstbewusstsein
Das Berufsleben "erzieht" heute viele Menschen dazu, eine Maske zu tragen und sich einem endlosen Ellenbogenkampf zu stellen. Im Historischen Fechten wird der Schüler zur Wahrnehmung seiner selbst motiviert. Der Schüler lernt, mit Erfolgen und Misserfolgen unzugehen. Die Annahme von Erfolgen / Siegen will ebenso gekonnt sein, wie das Lernen aus Misserfolgen. Das Verarbeiten von Sieg und Niederlage stellt sich bei jedem Freigefecht natürlicherweise als Aufgabe. Es findet eine Konfrontation mit seinen Stärken und Schwächen, seinen Gaben und Ängsten und seiner Wirkung auf andere statt. Durch wiederholtes Reflektieren wird der Mensch eingeladen, nicht an der Oberfläche zu verweilen, sondern Tiefe und Konsistenz zu suchen z.B. in Beziehungen zu anderen Menschen, sei es im Privaten oder im Beruf.

"Beim Spiel kann man einen Menschen in einer Stunde besser kennenlernen als im Gespräch in einem Jahr." (Platon)

Entscheidungsfindung
Entscheidungen bestimmen unser tägliches Leben. Sie fordern das Abwägen verschiedener Möglichkeiten, den Mut, das Entschiedene umzusetzen und die Flexibilität, bei Bedarf zu korrigieren. Im Schwertfechten wird dies in besonderem Maße erfahrbar. Durch praktische Übungen und den regelmäßigen Übertrag in den Alltag lernt der/die Fechter/in, den Prozess der Entscheidungsfindung zu verstehen und die eigene Herangehensweise zu optimieren.

Fechten damals und heute

Man kennt verschiedene Fechtverbände und -schulen, doch diese widmen sich ausschließlich dem Florett-, Degen- und Säbelfechten. Fechtschulen für Rapier- oder Schwertfechten sucht man bei den offiziellen Sportvereinen jedoch vergebens. Das lässt sich auf die geschichtliche Entwicklung des Fechtens in Europa zurückführen:

War noch bis ins hohe Mittelalter die Ausbildung im Umgang mit dem Schwert hauptsächlich eine militärische Angelegenheit, tritt im Späten Mittelalter zu nehmend eine zivile Form des Schwertkampfes in den Vordergrund: Der gerichtliche Zweikampf. Hier wurde ein Rechtsstreit bzw. die Schuldfrage vor Gericht "ausgefochten" als eine Art "Gottesurteil". Dies etablierte bald den Beruf des Fechtmeisters und man begann im zivilen Umfeld, das Fechten zu erlernen. Zu dieser Zeit hatte die Entwicklung des Schwertes fast ihren Hohepunkt erreicht. die primäre Waffe war das Langschwert, ein Schwert, welches mit zwei Händen geführt wurde - man spricht von der Deutschen Schule des Langschwertfechtens.

Gegen Ende des Mittelalters verlagerte sich der Schwerpunkt der Fechtkunst nach Italien und es entwickelte sich aus dem Schwert die Fechtwaffe des Renaissance: Das Rapier. Die Klingen wurden schmäler und leichter, die Parierstange entwickelte sich von der einfachen Querstange zu einem Griffkorb der die ganze Hand schützte. Im ausgehenden 17. Jahrhundert hatte die Spaltung der italienischen Fechtschule in eine nördliche und südliche nach kurzer Glanzdauer auch deren vorläufigen Verfall zur Folge. Frankreich übernahm die Führungsrolle in Europa. So erreichte das Fechten im 18. Jahrhundert am französischen Hof die nächste große Stufe mit der Entwicklung des "Degens" und später des "Small-Swords", einer Waffe, leichter und biegsamer als das Rapier, dem heutigen Florett gar nicht unähnlich.

Im heutigen Sportfechten haben sich aus dieser Entwicklung drei Waffen erhalten: Das Florett, der Degen und der Säbel. Durch die "Reise" des Fechtsports von Deutschland über Italien und Frankreich und durch die Spezielisierung auf das Stoßfechten (mit Ausnahme des Säbels) sind die "alten" Waffen, wie das Schwert in Vergessenheit geraten. - Fast...!